Presseerklärung
Vorsitzender der CSU-Familienkommission Joachim Unterländer: „Entscheidungen gegen Kindsmissbrauch müssen auf der Tagesordnung bleiben“
Die Diskussion über Kindsmissbrauch in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen und Lebensbereichen ebbt ab – und der politische und gesellschaftliche Handlungsbedarf bleibt bestehen.
Dies stellt die CSU-Familienkommission im Rahmen der Vorstellung eines 10-Punkte-Präventionspapiers (siehe nachstehend) fest, das unter Leitung des Vorsitzenden der CSU-Familien-kommission, dem sozialpolitischen Sprecher der CSU-Landtagsfraktion Joachim Unterländer, der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Es ist in einer Arbeitsgruppe „Prävention gegen Kindsmissbrauch und sexuelle Gewalt“ erarbeitet worden, die sich aus Wissenschaftlern, Medizinern, kirchlichen Vertretern, Experten der Kinder- und Jugendhilfe, Psychotherapeuten, familientherapeutischen Praktikern, Jugendlichen und politischen Vertretern zusammengesetzt hat.
Diese Konzeption soll sowohl bei den dafür gebildeten Gremien der Bayerischen Staatsregierung, bei gesellschaftlich relevanten Gruppen sowie bei den zuständigen parlamentarischen Gremien eingebracht werden.
Vorsitzender und Landtagsabgeordneter Joachim Unterländer sieht insbesondere in der Realisierung eines geschlechter- und alterssensiblen Gesamtkonzeptes zur Eltern- und Familienstärkung, in Schwerpunktverlagerungen bei den Bildungsinhalten, einer umfassenden Verwirklichung der Kinderschutzstrategie und einer Prävention in der Kinder- und Jugendhilfe die entsprechenden Schwerpunkte.
Unterländer fordert, dass der Nachhaltigkeitsgedanke in der Stärkung von Familien, Kindern und Jugendlichen auch gerade in Zeiten knapper öffentlicher Kassen als richtiger Weg von Bund, Land und Kommunen akzeptiert wird.
Verantwortlich:
H. Schwab – CSU-Bürgerbüro
Präventionsstrategie gegen Kindsmissbrauch
10-Punkte-Papier der CSU-Familienkommission
Starke Eltern – starke Kinder
Missbrauch von Kindern, sowohl in sexueller als auch in gewaltorientierter Form, muss gesellschaftlich, unabhängig vom Ort der Taten, geächtet werden.
Es ist über die nunmehr bekannt werdenden Fällen in Internaten in unterschiedlicher (auch kirchlicher) Trägerschaft in besonderer Weise der familiäre, soziale Nahraum, in dem sich Vernachlässigung, Gewalt und sexueller Missbrauch gegenüber Kindern abspielen.
Kinder und Jugendliche haben das Recht, dass ihre Gesamtbedürfnisse und ihre Wertschätzung optimal erfüllt werden – insbesondere durch Eltern, Erziehungspersonal, Lehrer und durch die gesamte Gesellschaft und in allen Lebensbereichen.
In dieser Diskussion besteht eine Chance, mit einer Zweifachstrategie die Probleme nachhaltig zu bekämpfen.
Es ist dies neben der
a. konsequenten Aufklärung und Zur-
Rechenschaft-Ziehung der Verantwortlichen vor allen Dingen
b. eine Präventionsstrategie gegen Missbrauch und Gewalt gegenüber Kindern.
Die Situation erfordert eine umfassende Präventionsstrategie gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch in der gesamten Gesellschaft und in allen Lebensbereichen.
Die CSU-Familienkommission hat dazu eine Arbeitsgruppe „Prävention gegen Kindsmissbrauch und sexuelle Gewalt“ ins Leben gerufen, die sich aus Wissenschaftlern, Medizinern, kirchlichen Vertretern, Experten der Kinder- und Jugendhilfe, Psychotherapeuten, familientherapeutischen Praktikern, Jugendlichen und der Politik zusammensetzt.
Die CSU schlägt folgende Eckpunkte zur konsequenten Umsetzung bzw. noch weiteren Nutzung im politischen und sonstigen öffentlichen Handeln vor:
1. Prävention, Aufklärung und Bildungsauftrag muss unter dem Aspekt „Starke Eltern – starke Kinder“ die Schwerpunkte auf präventive Maßnahmen der Eltern- und Familienbildung, der Stärkung in den Bildungsinstitutionen, der Instrumentarien der Kinder- und Jugendhilfe und des Kinderschutzes legen.
2. Die CSU-Familienkommission setzt sich mit Nachdruck dafür ein, dass ein geschlechter- und alterssensibles Gesamtkonzept zur Eltern- und Familienstärkung (Bildung) flächendeckend im Freistaat Bayern umgesetzt wird.
3. In allen Bildungsinstitutionen, von der Kindertagesstätte bis zu allen Schulformen inklusive der Nachmittagsbetreuung, ist der Schwerpunkt der praktischen Umsetzung noch stärker darauf zu richten, dass Kinder zu eigenständigen, beziehungskompetenten und selbstbewussten Persönlichkeiten heranreifen und in dieser Entwicklung unterstützt werden. In diesen Prozess sind auch alle dafür in Frage kommenden außerschulischen Institutionen und insbesondere Betreuungseinrichtungen einzubeziehen.
4. Der bayerische Weg des umfassenden Kinderschutzes, von den Vorsorgeuntersuchungen über die koordinierenden Kinderschutzstellen (KoKis), den durch das Bündnis gegen Gewalt gegen Kinder gestützten Maßnahmen bis hin zu familientherapeutischen Konzepten, muss weiter konsequent gegangen werden. Dies gilt auch für die Förderung frei gemeinnütziger und öffentlicher sowie kirchlicher Projekte (z. B. MFM-Projekt – ein werteorientiertes sexualpädagogisches Präventionsprojekt, das Mädchen, Jungen und ihre Eltern in die Pubertät begleitet). Eine nachhaltige Stabilisierung dieser Projekte ist vorrangige Aufgabe.
5. Die CSU-Familienkommission fordert eine noch stärkere Zusammenarbeit aller Bildungsinstitutionen mit den Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen.
6. Die CSU-Familienkommission fordert die Sicherstellung der Standards in der Kinder- und Jugendhilfe, unabhängig von den Entwicklungen der öffentlichen Haushalte und der Wirtschaft. Jeder Euro, der in diesem Sinne in die Prävention investiert wird, stärkt den Kinderschutz.
7. Die dafür geeigneten staatlichen und sonstigen öffentlichen Stellen werden aufgefordert, in den dafür geeigneten Veröffentlichungen (z. B. Familienbericht des Bundes oder Familienreport des IFP) einen Schwerpunkt auf die Stärkung von Eltern und Kindern im Sinne einer Präventionsstrategie gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt zu setzen, und dies im Dialog mit der Politik wissenschaftlich fundiert und nachhaltig einzufordern. Das Thema Prävention wird auch noch stärker bei dem von der Bayerischen Staatsregierung mitinitiierten „Runden Tisch“ thematisiert. Eine entsprechende Initiative durch die CSU-Familienkommission wird erfolgen.
8. § 1631 Satz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs hinsichtlich einer gewaltfreien Erziehung in den Familien muss besonders hervorgehoben werden. Dies gilt auch für die Vermittlung von Lerninhalten in Bildungs- sowie Kinder- und Jugendhilfeinstitutionen.
9. Wesentlicher Aspekt in einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die einen Beitrag zur Vermeidung von sexuellem Missbrauch zum Ziel hat, ist eine wertorientierte Kultur der Sexualität.
10. In allen in Frage kommenden und betroffenen Einrichtungen ist ein kontinuierlich weiterzuentwickelndes Sicherheitskonzept vorzuhalten, das präventiv und im Krisenfalle für die Betroffenen eine Hilfe darstellt.
Joachim Unterländer
Vorsitzender der CSU-Familienkommission
